top of page

Die Geschichte vom GRAN PODER (DIE GROSSE MACHT)

Dagmar Dümchen

26. Juni 2024

Die Feierlichkeit der Dreieinigkeit des Herrn Jesus der grossen Macht – La Fiesta de la Santísima Trinidad del Señor Jesús del Gran Poder

Die Feierlichkeit hat ihren Ursprung im Jahr 1663, als das Kloster der Madres Concepcionistas gegründet wurde und die Nonne Genoveva Carrión das Bildnis der Heiligen Dreieinigkeit mitbrachte. Dieses Gemälde zeigte einen Gott mit drei Gesichtern, welche für Vater, Sohn und Heiligen Geist stehen sollten. Zu der Zeit war diese Art der Darstellung noch üblich, wie es in kunsthistorischen Büchern von 1649 nachzulesen ist, wurde aber später von Papst Benedikt VI verboten.

Das Bild wurde in La Paz herumgereicht und immer mehr Gläubige sprachen ihm Wunder zu. Man sagt, dass einige der Gläubigen das rechte Gesicht um gute und das linke um böse Gefallen baten. Deshalb ließ einer seiner Anhänger erst viel später, um 1904, das Gemälde so übermalen, dass nur noch ein Gesicht sichtbar war (angeblich, um diesem Irrglauben entgegenzuwirken), was man auf einer Durchleuchtung des Bildes sehen kann, welche in der Kirche heute ausgestellt ist. Es wurde auch das nach unten zeigende Dreieck übermalt (aus drei Kreisen bestehend mit jeweils Pater, Filius und Spiritus Sanctus im Innern geschrieben und einen mittleren Kreis mit dem Wort Deus, der alle drei vereint), was auf dem Original der Heiligen Dreieinigkeit zu sehen war. Aus diesem Grund sieht man heute ein unübliches Christusabbild mit ausgebreiteten Armen darauf.

Nach dem Tod der Nonne Genoveva übernahmen die Augustinermönche im Stadtteil Chijini das Gemälde, wo es begeistert willkommen geheißen wurde, und 1928 begann man in der heutigen Gallardostrasse mit dem Bau einer Kirche dafür. Später wurde aufgrund des Bedarfs eine größere Kirche in der Max Paredes gebaut, aber die Anwohner ließen nicht zu, dass man das Bild dorthin umhängte.  

Durch den weitverbreiteten Synkretismus zwischen indianischem und christlichem Glauben in Bolivien, der zu allen heiligen Festen Tanzgruppen erscheinen lässt, tauchten 1923 die ersten folkloristischen Bruderschaften in Chijini auf. Die Näher und Sticker begründeten erste Feste der "prestes y pasantes“, eine Art sich abwechselnder Gastgeber, in diesem Stadtteil.

1924 erschien beispielsweise eine Gruppe der diablada, der Teufelstanz; eine Bruderschaft der Suri Sikuris, ein panflötenspielender Tänzert mit Federkranz auf dem Kopf und eine Gruppe der Kullawada, der Tanz der Spinner und Weber. Heute tanzen 74 verschiedene Gruppen im Gran Poder.

Seit 1972 wurde eingeführt, dass der zuständige „Gastgeber“ oder Preste (dieses Wort stammt vom Verb prestar ab, weil man sich meistens Geld leihen musste, um das Fest auszurichten) die Figur des Señor del Gran Poder kostbar neu einkleidet.

Am 12. Mai 1974 wurde die Gesellschaft der Folkloregruppen del Gran Poder gegründet. Im selben Jahr durchbricht der Umzug zum ersten Mal die Innenstadtgrenze. Vorher durfte er sich nämlich nur am Stadtrand abspielen. Die Anzahl und Vielfalt der Tänze wächst mit den Jahren und unterliegt bis heute einer aktiven Transformation durch verschiedenste Einflüsse.


Ein Beispiel ist die Morenda, der Tanz, der die schwarzen Sklaven darstellen soll, bei dem den Frauen lediglich erlaubt war, die Masken ihrer Männer nebenher zu tragen. Heute tanzen sie eifrig und stolz mit. Die Figuras (übersetzt Figuren) der Tänze, mit kurzen Röcken und hohen Stiefeln, wurden früher von Transvestiten dargestellt. Die Inklusion ist heute präsent, wo viele Transvestiten in der Tracht der Chola oder als Wapuris bei der Kullawada tanzen.

Im Dezember 2019 erhielt das Fest vom Gran Poder das Urteil der UNESCO, immaterielles Erbe der Menschheit zu sein.

bottom of page