
Iglesia Evangélica Luterana de Habla Alemana (IELHA)
Evangelisch-Lutherische Kirche deutscher Sprache in Bolivien


Heidi Brandenberg
24. Mai 2026
Predigttext: Apostelgeschichte 2, 1-21
Predigttext: Apostelgeschichte 2, 1-21
Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab. Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer? Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache? Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen, Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unseren Sprachen die großen Taten Gottes verkünden. Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Andere aber
hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins.
Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, vernehmt meine Worte! Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde des Tages; sondern das ist’s, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist: »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen. Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf; die Sonne soll in Finsternis verwandelt werden und der Mond in Blut.
Predigt
Liebe Zuhörer und Zuhörerinnen,
was für ein ungewöhnlicher, erstaunlicher und unglaublicher Text, der durchaus zwiespältiger Gefühle und Gedanken auslöst.
Pfingsten heißt übersetzt „Der Fünfzigste“; und der Pfingstsonntag ist der 50. Tag nach Ostern nach der Auferstehung Jesu; Pfingsten berichtet von einem ebenso erstaunlichen und unglaublichen Geschehen.
Jesus der Auferstandene reist zurück zu seinem Vater, wo auch immer das ist und schickt den 3. Im Bunde der Dreieinigkeit als Lehrer und Leiter zu seinen Jüngern; zu den Menschen, sozusagen als Vermittler und Ratgeber, als Führungskraft und Mentor für die nachfolgenden Generationen, die sich Christen nennen.
Genaugenommen ist es ein Führungswechsel vom Sohn Gottes zum Geist Gottes.
Den Geist Gottes könnte man mit einer neuen Regierung vergleichen
Die Übergabe der alten Regierung (Jesus)-> an die neue Regierung (Heiligen Geist)
Als im November 2025 die Regierungsgeschäfte an Rodrigo Paz übergeben wurden, spürte man einen anderen, einen neuen Geist. Im ganzen Land breitete sich Begeisterung und Hoffnung aus. Das Regierungsprogramm las sich wie ein Sience Fiktion Roman für eine bessere Zukunft. Die Anhänger, seine Minister, der Präsident selbst und Menschen, die ihn gewählt hatten verbreiteten sein Regierungsprogramm im Laufschritt über die Social medias, über Interviews in Fernsehen, Facebook und Zeitungen. Die ersten Umsetzungen des Programms spürten wir alle schon im Dezember und Januar: Verdoppelung der renta de dignidad, die Erhöhung des Mindestlohnes, Abschaffung der Subventionen, Öffnung nach USA und Europa, hin, Zollerleichterungen und vieles mehr.
Es wehte ein neuer Wind der Transparenz, ein frischer Atem der guten Kommunikation, ein neuer Geist des Miteinanders basierend auf Respekt, Achtung, gleiche Behandlung aller Bolivianer und Freundlichkeit gegenüber Ausländern.
So ähnlich ging es bei Jesus zu, als er Menschen für sein Regierungsprogramm begeistern und überzeugte. Er suchte sich erst einmal fähige Leute, die ihn begleiteten und schließlich verantwortungsvolle Aufgaben übernahmen: Da waren Petrus und Johannes, Thomas und Matthäus und noch viele mehr. Insgesamt hatte er eine erweiterte Jüngerschaft von 72 Menschen. Das Programm faszinierte seine Anhänger, Jünger und Zuhörer. Es blieb nicht bei nur Faszination, sondern sie wurden eins mit seiner Vision einer gottgefälligen, guten Welt.
An Pfingsten macht sich die frohe Botschaft von der Erlösung und einer lebenswerten Zukunft für die Menschen, von einem befreienden Glauben sozusagen selbstständig und erreicht erst 120 und dann 3000 Menschen. Diese neue Art zu denken und zu glauben wird vom Heiligen Geist in den Alltag der Menschen getragen. Die Jünger reden in allen nativen Sprachen, die die Zuhörer sprechen. In der Apostelgeschichte wird erzählt, dass das Pfingstereignis geschah, als das jüdisches „Wochenfest“ „Schawua“ gefeiert wurde, zu dem Juden und Jüdinnen aus aller Welt nach Jerusalem gekommen waren. Aber auch Heiden aus den benachbarten Ländern kamen zu diesem jüdischen Fest. Internationale Besucher, Einheimische und Touristen besuchten Jerusalem, den Ort des Festes und damit auch den Ort, von dem auch das Christentum ausging in alle Welt.
So sollten und dürfen wir es heutzutage auch machen: wir können unsere Überzeugung, unseren Glauben in eine verständliche Alltagssprache packen. Die fromme theologische Ausdrucksweise überlassen wir den Hochwürden und Oberkirchenräten.
Manchmal wünsche ich mir etwas von der Begeisterung der Jünger an diesem Sonntag angefeuert vom Heiligen Geistes. Innerlich für etwas b sichrennen ohne ausgebrannt fühlen.
Der Bericht in der Apostelgeschichte zeigt, dass
nicht die Jünger Jesu etwas verändern, sondern Gott.
Nicht die Jünger Jesus bestimmen die Richtung, sondern Gott.
Nicht die Jünger Jesu entscheiden, sondern Gott.
Gott füllt sie mit seinem Heiligen Geist und bewirkt Veränderung bei einzelnen Menschen. Der Heilige Geist ist Völker verbindend, handelt ohne Ansehen und Person, vor ihm sind alle Menschen gleich, wie es in allen Ministerien in La Paz geschrieben steht. Einheit in Vielfalt, gelebte Begeisterung und Überzeugung
Eine Gemeinde Jesu Christi, bei der der Heilige Geist weht, da pulsiert das Leben und niemand wir ausgeschlossen, ob arm oder reich, Mann oder Frau, jung oder alt.
Wie kann man die pfingstlichen Bilder von Feuerflammen und Sprachen sprechen erklären? Manches kann und muss man auch nicht erklären. Ich denke dieser Bericht gehört dazu. Da kann man entweder kopfschüttelnd danebenstehen und, wie einige Teilnehmer meinten, dass alle betrunken gewesen sein müssten oder: Staunend und ohne zu urteilen das Geschehen stehen zu lassen und darüber nachdenklich und dankbar werden.
In einem größeren, historischen Zusammenhang könnte man die Hauptakteure und das Handeln Gottes über den Jahrtausenden von der Schöpfung bis jetzt ins 21. Jahrhundert vielleicht mit einer sportlichen Disziplin vergleichen: Dem Staffellauf.
Gott Vater, der Schöpfer, der Gott des Alten Testamentes -> übergab das Staffelholz an Jesus, seinem Sohn, Gott des Neuen Testamentes -> und Jesus übergab das Staffelholz nach 33 Jahren dem Heiligen Geist, Gott der Post-Ära Jesu Christi, den nächsten Player, nachdem Jesu Aufgabe auf Erden erfüllt war: Die Erlösung der Menschen; Deine und meine Erlösung.
Der Läufer, der eine Etappe beendet hat, muss in der Regel dem nächsten Läufer den Stab übergeben, während sich beide in einer markierten Wechselzone befinden.
Den Staffelstab weitergeben bedeutet die Verantwortung weitergeben, übergeben, weiterleiten, Verantwortung übernehmen und in die 2. Reihe treten. Man bleibt ihm Team, fiebert weiter mit und gilt dann als gemeinsamer Gewinner.
Der Heilige Geist schenkt uns eine grundlegende Gewissheit:dass Gott uns wirklich liebt und uns erlöst hat.Er lässt uns erkennen, dass wir Kinder Gottes sind.
Schließlich stellt uns Pfingsten vor eine Entscheidung.
Angesichts dessen, was geschieht, machen sich manche darüber lustig.Andere lassen sich von dieser Botschaft berühren und denken darüber nach … und öffnen sich der Möglichkeit, dass hier wirklich etwas geschieht.
Dieselbe Entscheidung gilt auch heute noch. Wir können alles auf oberflächliche Erklärungen reduzieren, oder wir können erkennen, dass es eine tiefere Dimension der Wirklichkeit gibt. Eine Dimension, in der Gott weiterhin wirkt. In der er weiterhin Leben verwandelt. In der er weiterhin Orientierung schenkt.Und in der er uns weiterhin einlädt, mitzuwirken.
Vielleicht ist die wichtigste Frage: Nicht, ob wir alles verstehen, sondern ob wir bereit sind, uns verwandeln zu lassen. Denn letztlich ist die schwierigste — und zugleich notwendigste — Veränderung, nicht die der äußeren Umstände, sondern die Veränderung des eigenen Herzens.
Und genau dort beginnt alles.
Amen.