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Teresa von Ávila

Matthias Strecker, Prädikant,
nach folgenden Quellen: Sonntagsblatt, Wikipedia

25. Juni 2026

ungehorsam, mystisch, unbeirrbar forderte sie die Kirche heraus

„Sie ist ein herumvagabundierendes, ungehorsames und verstocktes Weibsbild, das unter dem Vorwand der Frömmigkeit falsche Lehren erfindet!" Keine Frage: Filipe Sega, der päpstliche Nuntius in Madrid, war von Teresa genervt. Schließlich hatte die Nonne aus Ávila schon mehrere Reformklöster gegründet, als er sein Amt im Juli 1577 antrat – und sie dachte nicht daran, mit 62 Jahren kürzerzutreten. So kam es, dass der -Nuntius gegen die renitente Nonne nicht ankam, obwohl er sogar eine Rufmord-Kampagne startete und behauptete, in ihren Klöstern geschehe Unzucht. Teresa ließ sic h von Freunden im Umfeld des spanischen Königs helfen. Mit Erfolg: 1579 musste Sega sein Dekret gegen Teresas Reformklöster vollständig zurücknehmen

Teresa de Jésus, so ihr Ordensname, war für die katholische Obrigkeit wie ein Reißnagel im Allerwertesten. Sie tat, was sonst Frauen verboten war: Sie mischte sich  in theologische und gesellschaftliche Belange ein. Eine Frau, die innige Gespräche mit ihrem Seelen-Freund Jesus führt, die einen verlotterten Orden reformiert, die nebst Frauen- sogar Männerklöster gründet und Glaubensbücher in der Landessprache schreibt: Das war im kirchlichen Protokoll nicht vorgesehen. Ihre mystischen Erfahrungen wurden teilweise skeptisch angesehen und gerieten in den Verdacht der Häresie. Ferner: Sie stammte von einem zum Christentum bekehrten Juden ab; ihr Großvater väterlicherseits war ein sephardischer Jude aus Toledo und ein begüterter Kaufmann.

Etwas zu ihrem außergewöhnlichen Leben: Sie wurde 1515 geboren und wuchs in einem großen Haushalt auf. Ihr Vater hatte zwei Kinder aus erster Ehe, zehn aus der zweiten. Tersa schrieb: „Wir waren drei Schwestern und neun Brüder“. Nach dem Tod ihrer Mutter (1528) vertiefte sich Teresa nach ihren eigenen Angaben in die Lektüre der damals üblichen Ritterromane, die schon ihre Mutter eifrig gelesen habe, pflegte erste Freundschaften und geriet in eine religiöse Krise. Als 1531 ihre Halbschwester heiratete, brachte der Vater die Sechzehnjährige zur weiteren Erziehung in das Kloster der Augustinerinnen in Ávila, das sie aus gesundheitlichen Gründen nach 18 Monaten wieder verlassen musste. Ihre Abneigung gegen das Klosterleben sei riesengroß gewesen, und in den Gebetsstunden blieb ihr Herz kalt, schreibt sie. Andererseits erwartete sie außerhalb der Klostermauern die Ehe, verbunden mit völliger Unterordnung und Verlust jeder Selbstständigkeit – für Teresa eine Horrorvorstellung. 

Der innerliche Zwiespalt macht Teresa krank: Hohes Fieber und Ohnmachtsanfälle überkommen sie, sodass ihr Vater sie nach Hause holt. Dennoch entscheidet sie sich "aus knechtischer Furcht" vor der Ehe für das kleinere Übel des Klos­terlebens. 1535 tritt die 20-Jährige einem Karmeliterkloster bei – gegen den Willen des Vaters. In seiner Biografie über Teresa von Ávila verweist der Münchner Schriftsteller Alois Prinz auf die Parallelen zu Martin Luther: "Ich bin nicht gerne ein Mönch geworden", habe der Reformator später gestanden. Umso pflichtschuldiger erfüllte Luther seine Klosterpflichten und hoffte bei allem, irgendwann "einen gnädigen Gott" zu finden – so wie Teresa bei allem Widerwillen gegen das Kloster auf "einen freundlichen Gott" hoffte.

1538 wurde Teresa erneut ernsthaft krank. Auf dem Weg zu einer „Heilerin“ in Becedas fiel ihr bei ihrem Onkel Pedro das Tercer Abecedario Espiritual („Drittes geistliches ABC“) des Franziskaners Francisco de Osuna in die Hände, durch das sie in dem von ihr schon lange geübten „inneren Beten“ bestärkt wurde. Im Juli 1539 kehrte sie todkrank in ihr Kloster zurück, wo sie im August in eine dreitägige todesähnliche Starre fiel; man hielt sie für tot, betete die Totengebete für sie und hob bereits das Grab aus. Drei Jahre war sie mehr oder weniger gelähmt.  Ab 1542 ging es ihr gesundheitlich besser, doch geriet sie in eine religiöse Krise; sie gab das innere Beten auf, das für sie „Verweilen bei einem Freund“ war, weil sie sich zu schlecht dafür hielt, Pater Vicente Barrón OP, den sie beim Tod ihres Vaters (1543) kennenlernte, befreite sie jedoch von diesem Irrtum.

Nach der teilweisen Wiederherstellung ihrer Gesundheit nahm Theresa wieder am regen Umgang mit den Besuchern des Klosters in den Sprechzimmern teil, meistens auf Anordnung ihrer Oberen, litt aber sehr darunter, weil sie sich zwischen oberflächlicheren Interessen und dem Wunsch, sich ganz auf Gott einzulassen, hin- und hergerissen fühlte. In der Not, dieses Dilemma aus eigener Kraft nicht lösen zu können, wurde ihr in der Fastenzeit 1554 vor einer kleinen Statue des Schmerzensmannes eine tiefe Erfahrung seiner Liebe zuteil, die eine völlige innere Umkehr und Befreiung bewirkte (ihre Zweite Bekehrung). Teresa sprach in diesem Zusammenhang von einem „neuen Leben“. In den folgenden Jahren erlebte sie erste tiefe Gebetserfahrungen und Visionen, die sie, verunsichert durch unfähige Beichtväter, in Angst und Schrecken versetzten, doch erhielt sie von kundigen Dominikanern und Jesuiten Aufklärung und Hilfe.

Eine weitere Vertiefung ihrer spirituellen Erfahrung war die Höllenvision (1560), die sie nach den damaligen Vorstellungen beschrieb und mit dem Wunsch nach einem konsequent apostolischen Leben verband. In diesem Zustand erlebte sie zusammen mit einigen Freundinnen und Verwandten im September 1560 die sogenannte „Gründungssitzung“ in ihrer Klosterzelle, bei der der Wunsch ausgesprochen wurde, eine Gemeinschaft nach Art der sogenannten Descalzos („Unbeschuhten“) zu gründen, wie damals die Anhänger von Reformbewegungen innerhalb ihrer jeweiligen Orden genannt wurden.

Mit Hilfe des Bischofs von Ávila, Álvaro de Mendoza, erhielt Teresa von Papst Pius IV. die Erlaubnis, in Ávila ein Kloster zu gründen, in dem wieder die ursprüngliche Ordensregel des heiligen Albert von Jerusalem befolgt werden sollte. So konnte sie am 24. August 1562 den Konvent vom hl. Josef in Ávila gründen.

Der ersten folgten noch sechzehn weitere Gründungen für Schwestern, und in Zusammenarbeit mit Johannes vom Kreuz wurde Teresa auch zur Gründerin des männlichen Zweigs des Teresianischen Karmels. Als Erfolgsrezept wendete Teresa bei den Klostergründungen eine Art Hausbesetzer-Taktik an: Bei Nacht und Nebel eine Bruchbude zum Kloster ausrufen, dann die Empörung von Stadtrat und Kirchenoberen abwettern, dann um eine bessere Unterkunft verhandeln – und bleiben. 

Wegen der Verbindung ihrer erstaunlichen Tatkraft und ihrer tiefen Frömmigkeit nannte der niederländische Theologe Paul van Geest sie ein „Kraftwerk ihres Jahrhunderts.“ 1568 führte sie in Valladolid Johannes vom Kreuz sorgfältig in ihre neuen Ziele ein, deren Kennzeichen ein geschwisterlicher Lebensstil, Einübung ins Ich-Sterben (Freiwerden vom Ego) und vor allem Pflege einer intensiven Freundschaft mit Gott waren; dem Ganzen sollte Demut – verstanden als ständiges Bemühen um Selbsterkenntnis – zugrunde liegen. Damit hob Teresa sich klar vom damals gängigen Reformideal von Nonnen in Kastilien ab, das auf Rigorismus setzte und dessen Kennzeichen aufsehenerregende Bußübungen (Selbstgeißelung, extremes Fasten und ein totales Abstinenzgebot) waren, womit sich die Personen Gottes Gunst zu erwerben und zu erhalten hofften.

1571 wurde Teresa vom Apostolischen Visitator Pedro Fernández OP gegen ihren und den Willen der Schwestern zur Priorin des Klosters, in das sie ursprünglich eingetreten war, ernannt. Mit ihrer auf suavidad (Sanftmut) und nicht auf dem damals üblichen Rigorismus beruhenden geistlichen Führung gelang es ihnen, dort eine wirkliche Erneuerung durchzuführen. 

Geistliche Erfahrungen: Teresas Lehre konzentriert sich auf das innere Beten (oración), das sie bereits vor ihrem Eintritt ins Kloster geübt hatte. Seinen Ursprung dürfte es in ihrer natürlichen Veranlagung zu Freundschaft und Kommunikation haben: „Gott hat mir die Gnade gegeben, dass ich überall, wo ich hinkam, Sympathie hervorrief, und so war ich sehr beliebt“. Aus ihrer Zuneigung zum verlassenen und verratenen Menschen Jesus von Nazareth entwickelte sie ihr „Beten“ als Pflege der Freundschaft mit Gott bzw. Jesus. Es bestand darin, „mir Christus in meinem Inneren vorzustellen“; später bezeichnete sie ihr Beten als „Verweilen bei einem Freund“. Das bedeutet, dass der Mensch sich immer wieder von neuem Gott zuwenden soll, ohne dabei etwas zu verdrängen oder abzuwerten, im Bewusstsein, so vom menschgewordenen Gott geliebt zu sein, „der sich über die Schwächen der Menschen nicht entsetzt, sondern Verständnis hat für unsere armselige Lage“. Bei diesen Bemühungen „widerfuhr es mir, dass mich ganz unverhofft ein Gefühl der Gegenwart Gottes überkam, so dass ich in keiner Weise bezweifeln konnte, dass Er in meinem Innern weilte oder ich ganz in Ihm versenkt war“. Demnach ist der Kern ihres Glaubens die „Freundschaft mit dem Mensch gewordenen Gott“, die sich in der gelebten Nächstenliebe bewährt: „Ob wir Gott lieben, kann man nie wissen; die Liebe zum Nächsten erkennt man aber sehr wohl.“

Am Ende ihres Hauptwerkes, den 1577 entstandenen Wohnungen der inneren Burg schreibt sie: „Letztlich, meine Schwestern, das, womit ich schließe, ist, dass wir keine Türme ohne Fundament bauen sollen, denn der Herr schaut nicht so sehr auf die Größe der Werke, als vielmehr auf die Liebe, mit der sie getan werden. Und wenn wir tun, was wir können, wird Seine Majestät dazutun, dass wir jeden Tag mehr und mehr vermögen, sofern wir nicht gleich müde werden, sondern für die kurze Dauer dieses Lebens – und vielleicht ist es kürzer als die einzelne denkt – innerlich und äußerlich dem Herrn das Opfer anbieten, das wir fertigbringen. Seine Majestät wird es mit dem verbinden, was er am Kreuz für uns dem Vater darbrachte, damit es den Wert erhält, den unser Wollen verdient hätte, seien die Werke auch klein.“

Der wohl berühmteste ihrer Texte ist das Gebet Nada te turbe, zu dessen Beliebtheit wesentlich eine Taizé-Vertonung beitrug, der allerdings wiederum eine stark bearbeitete Textversion zugrunde liegt. Übertragungen und Nachdichtungen finden sich über die Jahre auch in verschiedenen Ausgaben des katholischen Gebet- und Gesangbuchs Gotteslob.

Teresa wünschte sich, dass Glaubenserfahrung in praktische Nächstenliebe mündete: "Der Herr schaut nicht so sehr auf die Größe der Werke, als vielmehr auf die Liebe, mit der sie getan werden." Und ohne Gott, das stand für sie fest, sind alle Gebete und Taten nichts. Ihr Credo lautete: "Solo dios basta" – "Gott nur genügt". 

Ich möchte,dass ihr nur dieses eine begreift:

Es geht auf diesem geistlichen Wegenicht darum, viel zu denken,sondern viel zu leben.

Was am meisten Liebe in euch weckt, das tut.(Teresa von Ávila)

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