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Zum Reformationstag: Preis der Lutherstädter für das mutige Wort

Matthias Strecker

24. Sept. 2025

Seit 1996 wird „Das unerschrockene Wort“ alle zwei Jahre an couragierte Persönlichkeiten vergeben. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung erinnert an den Mut und die Standhaftigkeit Martin Luthers. Im Jahr 1521 weigerte sich der Reformator im Reichstag zu Worms vor Kaiser Karl V., seine Thesen zu widerrufen und wurde daraufhin geächtet. Damit bewies er jene Haltung, die „Das unerschrockene Wort“ ehrt.

Dem Bund der Lutherstädte Deutschlands gehören neben der Universitätsstadt Marburg die Städte Augsburg, Coburg, Eisenach, Eisleben, Erfurt, Halle (Saale), Heidelberg, Magdeburg, Nordhausen, Schmalkalden, Speyer, Torgau, Wittenberg, Worms und Zeitz an. Dieser Bund der 16 Lutherstädtehat in seiner Jurysitzung am 29. November 2024 in Augsburg einstimmig beschlossen, den Preis „Das unerschrockene Wort“ im Jahr 2025 an zwei Preisträger zu vergeben, die sich durch ihr Engagement gegen Rechtsextremismus auszeichnen. Den Preis teilen sich Heinz J. Ostermann, Buchhändler im Berliner Stadtteil Neukölln, und Prof. Jens-Christian Wagner, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora in Weimar. 

Heinz J. Ostermann engagiert sich für die freie Gesellschaft. Nach dem Einzug der AfD ins Berliner Abgeordnetenhaus positionierte sich Heinz J. Ostermann zusammen mit anderen unabhängigen Neuköllner Buchhandlungen im Rahmen kritischer Diskussionsveranstaltungen gegen den aufkommenden Rechtspopulismus. Trotz darauffolgender Schaufensterzerstörung sowie Brandanschlägen ließ er sich nicht einschüchtern, sondern gab den Anstoß zur Gründung der Neuköllner Initiative „Rudow empört sich. Gemeinsam für Respekt und Vielfalt“. Mit dieser Initiative und seiner Buchhandlung Leporello als wesentlichem Anker setzt er sich seit 2018 beständig und mit unterschiedlichsten Formaten für demokratische Werte, gegenseitigen Respekt, Toleranz und Vielfalt ein. In Konsequenz dieses Engagements steht seine Buchhandlung seit Jahren unter Polizeischutz. Gemeinsam mit anderen Opfern von Brandanschlägen im Rahmen der Neuköllner Anschlagsserie, dem sogenannten Neukölln-Komplex, gelang es ihm zur Aufklärung einen Untersuchungsausschuss im Berliner Abgeordnetenhaus durchzusetzen. Das Motto von Heinz J. Ostermann lautet: „Wir alle sind aufgerufen für unsere Demokratie einzustehen und diese zu verteidigen.“

Historiker Prof. Jens-Christian Wagner setzt sich gegen Geschichtsrevisionismus ein. Seit Jahren engagiert sich Wagner gegen „Fake-History“ und geschichtsrevisionistische Legendenbildung“, gegen die Verharmlosung des Nationalsozialismus und Holocaust sowie die Forderung der AfD nach einer „erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad“. Er entlarvt die Losung von AfD, Reichsbürgern, „Montagsspaziergängern“ und Co. nach einer „Beendigung des Schuldkults“ als Angriff auf die Arbeit der Gedenkstätten und setzt sich unermüdlich gegen einen „erinnerungspolitischen Klimawandel“ sowie insgesamt gegen die Diskursverschiebung nach rechts ein. „Da müssen wir als Gedenkstätten, aber auch die ganze Gesellschaft und die Politik deutlich Position dagegen beziehen“, sagt Jens-Christian Wagner selbst.

Die Verleihung des 15. Lutherpreises fand am 28. März 2025 in der Friedenstadt Augsburg statt. 

An wen wurde der Preis vorher verliehen? Im April 2019 wurde in der Lutherischen Pfarrkirche der 12. Preis an die Frauenrechtlerin und Moscheegründerin Seyran Ateş vergeben. Das 13. „Unerschrockene Wort“ vergaben die Lutherstädte 2020 in Worms an weißrussischen Bürgerrechtlerinnen Weronika Zepkalo, Swetlana Tichanowskaja und Maria Kolesnikowa. Der 14. Lutherpreis 2022 ging dann in Schmalkalden an Zarifa Ghafari aus Afghanistan, die nach der erneuten Machtergreifung der Taliban 2021 fliehen musste und sich auch im Exil weiter für Frauenrechte und Demokratie in ihrer Heimat einsetzt. Weitere Ausgezeichnete sind unter anderem der Theologe Hans Küng, der Liedermacher Stephan Krasczyk, die Journalistin Anna Röpke, Barkeeper Michael Sauer mit seiner Regensburger Initiative „Keine Bedienung für Nazis“, der syrische Rechtsanwalt, Journalist und Menschenrechtler Mazen Darwish, das Ehepaar Horst und Birgit Lohmeyer für ihr Rockfestival gegen rechts oder auch der Friedensnobelpreisträger und frühere Chefredakteur der 2022 verbotenen russischen Zeitung „Nowaja Gaseta“, Dimitrij Muratow, mit seiner Redaktion.

„Diese Juryentscheidungen zeigen, wie aktuell unser Preis der Lutherstädte ist“, betont Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. „Und es zeigt auch, dass es unter noch so schwierigen Bedingungen immer Menschen gibt, die mutig und unerschrocken aufstehen und ihre Stimme gegen Missstände, Unterdrückung und Ungerechtigkeit erheben. Sie wollen wir unterstützen.“

Vorschläge für die Preisvergabe konnten alle Bürger*innen der stiftenden Lutherstädten einreichen. Vorgeschlagen werden können bekannte und weniger bekannte Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland sein, die Zivilcourage bewiesen haben. Jede Stadt nominiert aus ihren jeweiligen Vorschlägen eine Person als Kandidat*in für die gemeinsame Jurysitzung. Die Jury, bestehend aus den Vertreter*innen der 16 Städte, entscheidet, wer "Das unerschrockene Wort" erhält. 

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